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2011: 10 Jahre kommunales statistisches Raumbezugssystem mit AGK

10 Jahre KOSIS-Gemeinschaft AGK

Adresszentraldatei, Gebäudedatei und Kleinräumige Gliederung mit Viewer

Was wäre die Kommunalstatistik ohne kleinräumige Auswertungen für Stadtteile, Stimmbezirke, Schulsprengel oder andere verwaltungs- oder planungsrelevante Gebietseinteilungen? Für jede kleinräumige Statistik ist ein in sich konsistentes statistisches Raumbezugssystem die Basis. Sollen kleinräumig auch noch Zeitreihen erstellt werden, dann ist zusätzlich die Abbildung der zeitlichen Bezüge innerhalb des Raumbezugssystems erforderlich. Die für die Statistik relevanten Raumbezugsdaten sollten zentral verwaltet werden, um die kleinräumige Zuordnung der Sachdaten für jeden Zeitpunkt zu gewährleisten sollten. In größeren Kommunen wurde deshalb nach den Empfehlungen des Deutschen Städtetages[i])[ii]) das System der Kleinräumigen Gliederung eingeführt und die Führung des Raumbezugssystems in der Statistiksatzung als Aufgabe der Statistikstelle festgelegt.

Da für die sehr speziellen Anforderungen keine kommerzielle Software mit dem geforderten Leistungsumfang existiert, hat sich der KOSIS-Verbund dieser Aufgabe angenommen. Aus den Erfahrungen der KOSIS-Gemeinschaften „Kleinräumige Gliederung für Windows (KGW)“ und „Statistische Gebäudedatei (GEBS)“ sowie den Ergebnissen der KOSIS-Umfrage zum Raumbezug[iii]) ergab sich die Notwendigkeit der Neuentwicklung eines Systems zur Verwaltung und Fortschreibung der Elemente des kommunalen statistischen Raumbezugssystems, um damit die Grundlagen für Zuordnungen, Aggregationen und kleinräumige Auswertungen zu schaffen. Daher wurde bei der KOSIS-Mitgliederversammlung am 28.03.2001 in Erfurt durch die Mitglieder der beiden KOSIS-Gemeinschaften KGW und GEBS einstimmig deren Fusion zur neuen KOSIS-Gemeinschaft „Adresszentraldatei, Gebäudedatei und Kleinräumige Gliederung (AGK)“ beschlossen, um ein neues, in sich konsistentes aber trotzdem flexibles Verfahren für kommunale statistische Raumbezugssysteme zu entwickeln. Als Entwicklungs- und Anwendergemeinschaft definiert die Gemeinschaft die fachlichen und programmtechnischen Vorgaben und kontrolliert die Umsetzung.

Zentrale Vorgabe für die Neuentwicklung war es, dass die komplexen Fortschreibungsvorgänge in einer rein alphanumerischen Anwendung über Prozeduren verarbeitet und dann geprüft an eine Datenbank übergeben werden, da vor 10 Jahren in den wenigsten Städten Geometrien für das Raumbezugssystem vorlagen und noch seltener Kolleginnen und Kollegen mit GIS- und Datenbank-Kenntnissen anzutreffen waren. Ein wesentlicher Gesichtspunkt für die Neuentwicklung war auch die Gewährleistung der wechselseitigen Beziehungen der Elemente des Raumbezugs mit deren räumlichen und zeitlichen Historie. Dazu wurde ein Datenmodell entworfen, mit dem die zentralen Bestandteile „Adresszentraldatei“, „Gebäudedatei“ und „Kleinräumige Gliederung“ zusammengeführt sowie die hierarchischen Beziehungen und Abhängigkeiten aller Elemente abgebildet werden konnten. Das Konzept wurde auf der ersten Mitgliederversammlung am 18.06.2001 in Erfurt vorgestellt.

Für die Visualisierung und Navigation wurde eine Baumstruktur gewählt, wie sie den Anwendern vom täglichen Umgang mit dem Windows-Explorer vertraut ist. Alle bekannten Fortschreibungsvorgänge (Neuanlage, Teilung, Zusammenführung, Verschieben, Korrektur, Beendigung, Wiedererteilung etc.) wurden gleichartig umgesetzt, was eine schnelle Einarbeitung und selbst aufwändige Umstrukturierungen durch Verwaltungsangestellten ohne Spezialkenntnisse ermöglicht. Damit können in AGK Straßen und Hausnummern (die Adresszentraldatei), Bautätigkeiten und Gebäudebestand (die Gebäudedatei), sowie die hierarchische Gliederung des Stadtgebietes bis zur Blockseite (die Kleinräumige Gliederung) mit den darauf aufbauenden Gebietseinteilungen inklusive der räumlichen und zeitlichen Historie beschrieben, verwaltet und ausgewertet werden. Dies ermöglicht eine Zuordnung jeder Adresse und jedes Gebäudes mit den zugehörigen Sachdaten für jeden Zeitpunkt zu einer Blockseite und damit zu jeder übergeordneten Gliederungsebene und jeder Gebietseinteilung. Daraus ergeben sich für jeden Zeitpunkt eindeutige und vollständige Gebietsbeschreibungen, Adress- und Straßenverzeichnisse sowie die Möglichkeiten der räumlichen Auswahl und die Voraussetzungen zur Verdichtung zugehöriger Sachdaten.

Eigentlich waren mit der Version 2.5 im Jahr 2005 bereits alle ursprünglichen Forderungen erfüllt und auch schon zusätzliche Funktionen, v. a. die Historisierung der Daten betreffend, enthalten. Mit den neuen Möglichkeiten der neuen Anwendung ergaben sich aber weitere, zusätzliche Anforderungen, die bei der Mitgliederversammlung am 16.06.2005 in Münster abgestimmt und 2006 mit einem Folgeauftrag umgesetzt wurden. Hierbei handelte es sich v. a. um Optimierungen des Programmhandlings durch Erweiterung der Anzeige, der Speichermöglichkeit von Parametern bei den Schnittstellen und der Ergänzung um zusätzliche Funktionalitäten bei der Verwaltung der räumlichen Beziehungen zwischen den Elementen. Durch die Verallgemeinerung der Programmarchitektur mit der Entwicklung eines Schichten-Modells für die Version 3.5 im Jahr 2008, der darauf aufbauenden Entwicklung des mit AGK kommunizierenden Viewers und anschließender Ergänzung um eine Sachdatenanbindung konnte im Jahr 2009 die Version 3.6 mit umfangreichen Funktionserweiterungen ausgeliefert werden. In der Zwischenzeit wurden weitere Vorschläge für die Weiterentwicklung gesammelt und präzisiert, die Grobspezifikationen für die Zusammenfassung und Erweiterung der Zuordnungsdialoge erstellt sowie die Konzepte für eine Standort-/Infrastrukturverwaltung und für eine OK.EWO-Schnittstelle entwickelt. Die wichtigsten Weiterentwicklungsvorschläge und die OK.EWO-Schnittstelle konnten noch Ende 2009 für die Version 3.7 in Auftrag gegeben werden. Im Oktober 2010 erfolgte dann auch die Auftragserteilung für die erste Teilentwicklung in der neuen Entwicklungsumgebung C# unter .NET.

Mit AGK wurde in den letzen 10 Jahren also ein Programm entwickelt, mit dem die komplexen Aufgaben bei der Verwaltung, Fortschreibung und Auswertung dieser Bezüge rein alphanumerische, also ohne die aufwändige Fortschreibung von Geometrien und damit ohne den Einsatz kostenintensiver GIS-Programme und den dafür erforderlichen Spezialkenntnissen zentral durchgeführt werden können. Durch die für AGK festgelegten Datenstrukturen wurde eine flexible Standardisierung für Raumbezugsdaten erreicht, die auch in das INSPIRE-Datenmodell eingeflossen ist. Es können Raumbezugsdaten beliebig vieler Kommunen mit jeweils frei wählbarer Datenstruktur verwaltet werden. Durch den Metadaten gestützten modularen Aufbau mit offenen Schnittstellen ist AGK einerseits den speziellen Anforderungen der Kommunen entsprechend konfigurierbar, und kann anderseits dynamisch in bestehende Systeme eingebunden werden. Die Struktur und die Schnittstellen der Datenbank ermöglichen die Anbindung von Fremdsoftware wie z.B. ArcGIS oder den Stadtmonitor. Für Fachanwendung, wie z.B. aus dem Einwohnermeldewesen, die nicht direkt mit einer Fremd-Datenbank kommunizieren können, wurden Austauschroutinen entwickelt. Die Schnittstellen zu Registern, geometrischen Daten und statistischen Sachdaten werden laufend erweitert. Durch die ständige Weiterentwicklung können zusätzliche Anforderungen und neue Funktionalitäten, die sich aus aktuellen Fragestellungen ergeben, in das Programm integriert werden. Innerhalb des Gesamtkonzepts wird damit eine zukunftsorientierte und progressive Weiterentwicklung verfolgt.

Als Anwender-, Entwicklungs- und Wartungsgemeinschaft werden alle Beiträge fast ausschließlich zur Pflege und Weiterentwicklung des Programms eingesetzt, weniger als 1% aller Mitgliedsbeiträge wurden bisher für Verwaltungskosten verwendet (v.a. für Portokosten und die Mitfinanzierung der seit 2005 stattfindenden gemeinsamen KOSIS-Tagung). Zusätzlich zu den Beiträgen wurden ca. 1/3 der bisherigen Entwicklungskosten für vorgezogene oder spezielle Entwicklungen von einzelnen Mitgliedern übernommen. Daraus ergibt sich ein außergewöhnlich gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis, zumal keine zusätzlichen Lizenzgebühren anfallen und die Anwendung beliebig oft bei der Kommune installiert werden kann. Aufgrund des großen Funktionsumfangs und der einfachen Bedienung von AGK können auch Fachbereiche außerhalb der Statistik das Programm zur räumlichen Zuordnung eigener Fachstatistiken nutzen. Mit der regelmäßigen Beteiligung der KOSIS-Gemeinschaft AGK an den KOSIS-Tagungen wird der Erfahrungsaustausch unter den Anwendern gefördert. Die Teilnahme an den jährlichen Anwendertreffen ist kostenlos, Schulungen werden zum Selbstkostenpreis durchgeführt.

Seit 2001 ist der Mitgliederbestand fast kontinuierlich gestiegen, 2010 waren insgesamt 46 Lizenzen im Einsatz. Mit AGK werden aktuell über 10% der bundesdeutschen Adressen dezentral verwaltet! Bereits für einmalig 1.000.- Euro Entwicklungskostenbeitrag ist der Einstieg in AGK möglich.


[i]) Deutscher Städtetag 1967: Richtlinien für eine kleinräumige Gliederung des Stadtgebietes für Zwecke der Aufbereitung statistischer Angaben vom 10.4.1967 (W 693 mit Anlage 734 - 10/26 55)              

[ii]) Deutscher Städtetag 1991: Kommunale Gebietsgliederung - Empfehlungen zur Ordnung des Straßen-/ Hausnummernsystems und Gliederung des Gemeindegebiets nach Gemeindeteilen, Blöcken und Blockseiten sowie DV-Organisation. - DST-Beiträge zur Statistik und Stadtfor­schung. Reihe H, Heft 39. Köln         

[iii]) Gleich A. (2000): Kommunale Rauminformationssysteme in Deutschland: Ergebnisse der KOSIS-Erhebung zum Raumbezugssystem. - In: Verband Deutscher Städtestatistiker (2000): Tagungsbericht Statistische Woche 2000 in Nürnberg. Oberhausen: 243-251     

 


Seite zuletzt geändert am 11.11.2011