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MigraPro


Seit der letzten Änderung des Staatsangehörigkeitsgesetzes im Jahr 2000 hat der gebräuchliche Indikator „Ausländeranteil“ zunehmend an Aussagekraft verloren. Die Städtestatistiker haben sehr schnell erkannt, dass hier Ersatz notwendig ist und dass dieser Ersatz aus der Ermittlung der Personen mit Zuwanderungs-/Migrationshintergrund bestehen kann. Aus dem Einwohnermelde­register ist dieser Indikator nicht direkt zu gewinnen. Aus der Kombination der Merkmale „Zweite Staatsangehörigkeit“, „Zuzugsherkunft“, „Art der deutschen Staats­angehörigkeit“ und „Lage des Geburtstortes“ sind aber zuverlässige Aussagen zur Zahl der Deutschen mit Migrationshintergrund möglich. Wird diese Zahl noch um die Personen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ergänzt, können Anfragen nach Einwohnern mit Migrationshintergrund beantwortet werden

Das Merkmal „Zuzugsherkunft“ wird in einigen Städten schon genutzt, um Aussiedler zu schätzen. Das Merkmal „Zweite Staatsangehörigkeit“ wird für diesen Zweck ebenfalls herangezogen. Da aber bei Einbürgerungen in den meisten Fällen die aufgegebene Staatsangehörigkeit nicht als weitere Staatsangehörigkeit geführt werden darf, ist dieses Merkmal nur bei den „Optionseinbürgerungen“ sinnvoll nutzbar, da dieser Personenkreis die alte Staatsangehörigkeit als weitere Staatsangehörigkeit behalten darf, um bei Bedarf die alte Staatsangehörigkeit wieder aufleben lassen zu können. Das Datenfeld „Art der deutschen Staatsangehörigkeit“ hat, wenn es brauchbare Einträge aufweist, eine hohe Aussagekraft. Leider gehen aber derzeit die Informationen bei einem Umzug in eine andere Gemeinde verloren. Das Merkmal „Geburtsland“ ist im Datensatz zwar vorgesehen, aber in den meisten Gemeinden nur sporadisch gefüllt.

Besonders das Merkmal „Geburtsland“ verspricht die beste Qualität bei der Ermittlung des Migrationshintergrunds. Um dieses Merkmal nutzen zu können, muss zunächst der in Klartext im Melderegister gespeicherte Geburtsort verschlüsselt werden. Um die Vielzahl von Geburtsorten und vor allem die zahlreichen Schreibvarianten der Geburtsorte verschlüsseln zu können, ist in Stuttgart das Programm MigraPro entstanden. Mit MigraPro wird zunächst eine Geburtsortereferenz aufgebaut und im nächsten Schritt werden die im Datensatz Bevölkerungsbestand enthaltenen Geburtsortangaben in einen Gebietsschlüssel umgesetzt.

Aus der Kombination der oben genannten Merkmale wird im nächsten Schritt der persönliche Migrationshintergrund abgeleitet und in die Bestandsdatei zurück geschrieben. Dabei wird zwischen Ausländern, Deutschen die eingebürgert worden sind, Aussiedlern und Deutschen ohne erkennbaren Migrationshintergrund unterschieden. Deutsche, die im heutigen Polen, in der ehemaligen Sowjetunion oder in der ehemaligen CSSR geboren worden sind, erhalten nur einen Migrationshintergrund, wenn sie nach Ende des Zweiten Weltkriegs geboren sind.

Ergänzend zum persönlichen Migrationshintergrund wird der familiäre Migrationshintergrund abgeleitet. Die Familienzugehörigkeit wird aus den im Datensatz vorhandenen Angaben zum Kernhaushalt ermittelt. Darunter fallen Kinder unter 18 Jahren, die aufgrund der Merkmalskombinationen keinen persönlichen Migrationshintergrund erhalten würden, die aber mindestens ein Elternteil mit Migrationshintergrund haben und analog zur Definition im Mikrozenzus den Migrationshintergrund des entsprechenden Elternteils übernehmen. Aus der Kombination der Ausprägungen des Migrationshintergrunds und der Lage des Geburtsortes im Inland oder im Ausland sind weitere Typisierungen möglich.

Aus den verwendeten Staatsangehörigkeits- und Gebietsschlüsseln kann für Deutsche mit Zuwanderungs­hintergrund ein „Bezugsland“ abgeleitet werden, um beispielsweise Fragen nach der Zahl und Struktur der türkischstämmige Personen in der Stadt oder der Zahl der Aussiedler aus Kasachstan beantworten zu können.